Dienstag, 25. August 2009

Das Verhalten geschlechtsreifer Gamer in der Realität

Ob die Gamescom nun ein realer Ort ist oder nicht, kann man so leicht nicht sagen. Die Messehallen wirkten am Sonntagmittag wie die tausendfache Potenzierung des Giga-Centers am Rudolfplatz. Wie ein Autoscooter ohne die Scooter. Das heißt, es ist laut, bunt und hysterisch. Und am Sonntagmittag viel zu voll.

Ich will jetzt gar nicht über die zahlreichen Computer-Nerds lästern, die man dort sieht (und die immer noch nicht kapiert haben, dass bedruckte T-Shirts aus dem EMP-Katalog spätestens out sind, seit Elton sie trägt), dazu habe ich nicht wirklich das Recht als jemand, der sich im Star Wars-Shirt mit Clonetroopern fotografieren lässt.

Mir ist aber aufgefallen, dass die Computerspielfreunde auf manche Dinge in der Realität anders reagieren, als wenn sie ihnen im virtuellen Raum begegnen würden.

Werbung zum Beispiel. Auf der Gamescom wird aus allen Ecken wie am Karneval Zeug in die Menge geworfen - mit dem Unterschied, dass man mit Kamelle etwas anfangen kann, mit dem Gamescom-Kram nicht. Da werden zum Beispiel billige Tastaturen verteilt, die deutlich schlechter sind als die, die man eh zu Hause hat. T-Shirts mit Firmenlogos oder schlecht aufgedruckten Fotos - wer will die ernsthaft anziehen? (Dann doch lieber die EMP-Shirts, die lösen sich wenigstens nicht nach der ersten Wäsche auf.) Am inflationärsten geworfen werden Kugelschreiber und Aufkleber, Aufkleber, Aufkleber.

In der virtuellen Welt nennt man solch aufdringliche Werbung ohne echten Gegenwert Spam. Ich kenne keinen Computerspieler, der begeistert seine Spammails öffnet und begierig das haben will, was da versprochen wird. In der Realität das Gegenteil: Massenauflauf, wenn es rigendwo Aufkleber gibt. Beinahe-Schlägereien um ein T-Shirt. Mordgedanken für eine Tastatur.

Auf diesem Bild ging es zum Beispiel darum, ein T-Shirt zum Spiel "DJ Hero" zu fangen. Rockkonzert-Atmo, weil Hunderte Gamer scharf darauf sind, unbezahlte Werbeträger zu werden... In der World of Warcraft würden die meisten von ihnen wahrscheinlich nicht so leicht auf billige Tricks reinfallen.

Der zweite Punkt sind die Warteschlangen. Über zwei Stunden steht man am Sonntag etwa an, um eine Präsentation des Spiels "Diablo III" anzusehen. Ähnlich lange wartet man bei "Star Wars" oder "Halo 3". Gut, das sind die Hauptattraktionen des Gamer-Rummelplatzes, und im Phantasialand dauert es auch oft recht lange, bis man in der Achterbahn sitzt. Aber man sitzt nach dem Warten immerhin dann in einer Achterbahn! Auf der Gamescom gibt es nur etwa 15-minütige Werbe- und Making-Of-Videos zu den Spielen zu sehen. Und die werden wenige Tage später sowieso im Internet abrufbar sein.

Im Netz würde kein Computernutzer zwei Stunden vor dem PC ausharren und den Ladebalken anstarren, der im Schneckentempo breiter wird, während das Video runterlädt. Dort sähe das wahrscheinlich eher so aus:




Zum Glück verhalten sich Gamer in der Realität anders. Und beweisen dadurch doch auch, dass sie trotz "Killerspielen" nicht Amok laufen, wenn sie nicht sofort das bekommen, was sie wollen.

5 Kommentare:

  1. Dieses Video lässt mir immer wieder auf's neue eiskalte Schauer über den Rücken laufen und mein Herz für einen Moment bis zum Hals schlagen. Dieses Kind macht mir Angst, große Angst.

    Zur Gamescom: Ich hatte auch angedacht die Gamescom zu besuchen, nach diesem netten Beitrag bin ich froh es nicht getan zu haben. ;-)

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  2. Ach, lustig war es schon. Ich war ja nur zwei Stunden da. Ich glaube, man htäe Donnerstags hingehen müssen, als nicht viel los war. Ist halt wie im Phantasialand: Selbst Schuld, wer an einem Wochenende hingeht. ;)

    Und bei dem Kind gebe ich dir vollkommen recht. Ich schwanke immer wieder hin und her: Ist der Clip ein Fake oder nicht?

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  3. Zwei Studen Gamescom? Bei den Eintrittspreisen? Ob sich das lohnt? Oder war das Ticket sponsored by ...? ;-)

    Der Gedanke das es sich bei dem Video um einen Fake handelt kam auch in mir schon des öfteren hoch ... sollte es ein Fake sein muss dieses Kind ein sehr guter Schauspieler sein. Sehr real.

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  4. 100 Pro zu deinen Ausführungen. Nerds außer Rand und Band - muss er nicht haben.
    Der Clip - ich halte ihn für einen Semi-Fake. Der Bursche (offenbar leidet er ja tatsächlich unter ADHS) filmt sich selbst und legt mal noch ein Schüppchen drauf, tobt eine Ecke wilder als sonst.
    Aber Angst macht der mir auch...

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